Um allen Freunden die mich kennen das Bundesland und meine  Heimatstadt ein wenig näher zu bringen, habe ich mich entschlossen, einen kleinen zeitlichen Abriss aus der tausendjährigen Geschichte Sachsens und von Bautzen aufzuschreiben.

 Meine Heimatstadt

Das ostsächsische Bautzen kann auf Grund der verkehrsgünstigen Lage gut mit der Bahn, über die Autobahn A 4 oder die Bundesstrassen B 6 und B 96, die hier kreuzen, erreicht werden. Für Leute die mehr Kohle haben steht am nordöstlichen Stadtrand ein Flugplatz zur Verfügung.

Inmitten der vielgestaltigen Landschaft der Oberlausitz erhebt sich das tausendjährige Bautzen auf steilen Granitfelsen oberhalb der Spree. Die mittelalterliche Stadtbefestigung  mit wehrhaften Türmen und trutzigen Basteien hat bis heute einen bemerkenswerten Umfang. Bautzens Entwicklung ist aufs engste mit der wechselvollen Geschichte der Oberlausitz verknüpft. Kriege, Belagerungen, Stadtbrände, Pestepidemien und deren  schwere Folgen trafen die Stadt hart. Doch sie überwand Notzeiten und erblühte stets neu.

Wie Ergebnisse archäologischer Untersuchungen belegen, war die Oberlausitz bereits in     der älteren Steinzeit bewohnt. Das älteste Zeugnis für die Anwesenheit von Menschen in    der mittleren Oberlausitz hat ein geschätztes Alter von 38.000 Jahren. Nach der Zeitenwende, etwa im 3. Jahrhundert, waren hier ostgermanische Stämme ansässig. Im Rahmen der Völkerwanderung kamen Slawen in die Region, die im 7. Jahrhundert Bautzen zu ihrem Hauptort erklärten und eine erste Burg in der Gegend des heutigen Bautzen errichteten.      In der Lausitz siedelten vor allem Milzener und Lusizer, die Vorfahren der heutigen Sorben. Schon im 8. Jahrhundert begann unter Karl dem  Grossen die Unterwerfung der Slawen.    In der heutigen Oberlausitz wurden die Milzener, die sich kräftig zur Wehr setzten, durch Heinrich I. unterworfen. Im 11. Jahrhundert ließen sich verstärkt sächsische, thüringische, fränkische und hessische Siedler nieder.

So oft auch politische Verhältnisse wechselten, die Zweisprachigkeit der Lausitz und eine Fülle von Traditionen blieben bis heute erhalten. Mancher Gast zeigt sich überrascht, in der Lausitz deutsche und sorbische Beschriftungen an Orts- und Straßenschildern sowie öffentlichen Gebäuden vorzufinden. Dies ist neben der Tatsache, dass zahlreiche   sorbische Institutionen in Bautzen, dem kulturellen und administrativen Zentrum der sorbischen Bevölkerung, ihren Sitz haben, ein Beleg der Gleichberechtigung der Sorben, die 1948 gesetzlich festgeschrieben wurde. Das Recht des sorbischen Volkes auf Schutz, Bewahrung und Förderung seiner nationalen Identität fand 1992 auch in den Verfassungen des Freistaates Sachsen und des Landes Brandenburg Beachtung. Man schätzt, dass fast 60.000 Sorben zu beiden Seiten der Spree in der Lausitz leben.

Die Geschichte des Freistaates Sachsen

Der Freistaat Sachsen ist hinsichtlich seiner Bevölkerungszahl und Wirtschaftskraft das bedeutsamste unter den fünf neuen Bundesländern. In Deutschland steht Sachsen mit ca. 4,55 Mio. Einwohnern an sechster Stelle und mit einer Fläche von ca. 18400 Quadratkilometern an zehnter Stelle im Ländervergleich.

Die Geographie Sachsens ist sehr abwechslungsreich: Im Nordwesten befindet sich das Leipziger Land mit der Leipziger Tieflandsbucht sowie Dübener und Dahlener Heide. Südlich davon, im mittelsächsischen Raum erstreckt sich das Sächsische Hügelland von der thüringisch-sächsischen Landesgrenze bis an die Elbe. Im Südwesten, zwischen Thüringen, Bayern, dem Erzgebirge und Böhmen finden wir das Sächsische Vogtland. Westlich schließt das Erzgebirge als typische Mittelgebirgslandschaft an. In der Nähe des Wintersportortes Oberwiesenthal steht der Fichtelberg, mit 1214 m die höchste Erhebung Sachsens. Die Sächsische Schweiz - rund um den oberen Elblauf - mit der berühmten Bastei und ihren eindrucksvollen Tafelbergen (z. B. Lilienstein und Königstein) dient den Dresdnern als Ausflugsziel wie den Touristen als Erholungsgebiet. Von Dresden elbaufwärts Richtung Osten dehnt sich das Lausitzer Bergland aus, das nach Tschechien zu in das Lausitzer Gebirge übergeht. Und im südöstlichen Zipfel des Landes - im Dreiländereck zu Polen und Tschechischer Republik - liegt das kleine Zittauer Gebirge. Nördlich des Berglandes markieren die Städte Bautzen, Hoyerswerda, Weißwasser und Görlitz den äußeren Rahmen der Oberlausitzer Teich- und Heidelandschaft, von denen die östlichen Gebiete zum niederschlesischen Landesteil zählen.

Anfänge einer tausendjährigen Geschichte

Die Sachsen waren ein germanischer Stamm, der erstmals etwa 150 n. Chr. schriftliche Erwähnung fand und sich vom heutigen Holstein her ausdehnte. Der Name geht wohl - nach Widukind von Corvey - auf das für den Stamm typische Kurzschwert (Sax) zurück. Bis ins 15. Jahrhundert hinein bezog sich die Geschichte Sachsens allerdings geographisch auf Niedersachsen, Teile Westfalens und Sachsen-Anhalts.

Die Herrschaftstradition des heutigen Freistaates geht auf die Mark Meißen zurück, die 929 durch Heinrich I. gegründet wurde und die Otto der Große in das deutsche Reichsgebiet einband. Germanen hatten den Raum in frühgeschichtlicher Zeit besiedelt, bevor sie im Zuge der Völkerwanderung westwärts zogen und sich unter anderen die slawischen Stämme der Sorben, Milzener, Lusizer, Daleminzer niederließen. Viele Ortsnamen und geographische Bezeichnungen sind slawischen Ursprungs. Südlich von Bautzen erheben sich z.B. zwei Berge, die noch heute auf ihre naturreligiöse Vergangenheit hindeuten: der Czorneboh ("schwarzer Gott") und der Bieleboh ("weißer Gott").

Die germanische oder deutsche Rückbesiedlung des Meißner Landes setzte im 9. und 10. Jahrhundert ein. Anschließend wurde der Grundstock für eine anhaltende wirtschaftliche Prosperität des Landes gelegt, denn im 12. und 13. Jahrhundert entwickelte sich der Silberbergbau in der Mark Meißen unter Otto dem Reichen, der zu diesem Zweck 1180 eigens die Stadt Freiberg gründete. Es war jedermann erlaubt, Schürf- und Abbaurechte frei zu erwerben, wenn der zehnte Teil der beförderten Edelmetalle als Abgabe entrichtet wurde. Auf diese Art und Weise stieg Meißen in den folgenden Jahrhunderten zum wohlhabendsten unter den deutschen Herrschaften auf.

Unter den Wettinern

Otto der Reiche entstammte dem Geschlecht der Wettiner, dessen Name auf die Burg Wettin an der Saale, nördlich von Halle, zurückgeht. Im Jahre 1089 wurde erstmals ein Wettiner (Heinrich I. von Eilenburg) mit der Markgrafschaft Meißen belehnt. Seit 1124 (Konrad der Große) regierten sie ununterbrochen in der Mark Meißen, in Kursachsen und im Königreich Sachsen bis 1918. Eine erstmalige Verbindung des sächsischen Namens mit dem Gebiet des heutigen Freistaates ergab sich im Zusammenhang mit dem Tode des Herzogs von Sachsen-Wittenberg. Sein politisches Erbe trat Markgraf Friedrich von Meißen (aufgrund seiner Verdienste im Kampf gegen die böhmischen Hussiten) im Jahre 1423 an. Hiermit ging auch die Kurwürde an die Wettiner. In den folgenden Jahrzehnten setzte sich der Name Sachsen gegen den der Markgrafschaft Meißen durch. Seit dieser Zeit war der jeweils älteste Nachkomme aus dem Geschlecht der Wettiner auch Kurfürst und seine Besitzungen zählten zum sächsischen Kurfürstentum.

Zu den Territorien der Wettiner zählten seit langem auch thüringische Lande, in denen bis 1482 eine wettinische Nebenlinie relativ unabhängig regierte. Diese Nebenlinie starb 1482 aus. Nun fielen die Gebiete wieder an die wettinische Hauptlinie zurück, der die beiden Brüder Kurfürst Ernst und Herzog Albrecht vorstanden. Im Jahre 1485 wurden die sächsischen Territorien zwischen den beiden wettinischen Brüdern aufgeteilt. Es entwickelte sich hieraus die ernestinische und die albertinische Linie, wovon die albertinische die direkte Tradition des heutigen Sachsens repräsentiert. Diese sogenannte Leipziger Teilung stellte einen großen Einschnitt in der sächsischen Territorialgeschichte dar. Um die wettinischen Lande nicht auseinander fallen zu lassen und um ihre Zusammengehörigkeit zu verdeutlichen, wurden die zum Besitz gehörigen Herrschaften, Städte und Ländereien wie ein Flickenteppich auf die beiden Brüder verteilt. Entgegen der ursprünglichen Absicht verfestigte sich die Landesteilung in den folgenden Jahrhunderten und schwächte die sehr mächtige Stellung des Kurfürstentums Sachsen im Deutschen Reich.

Unterhalb der Landesherrschaft entwickelten sich einflußreiche Wirtschafts- und Handelszentren, wozu besonders Leipzig zu zählen ist: Die Stadt Leipzig erhielt 1497 das kaiserliche Messeprivileg, das sie als privilegierten Handelsplatz auswies. Es entstand ein bedeutender wirtschaftlicher Knotenpunkt mit Ausstrahlung auf den gesamten deutschen und europäischen Raum. Und Leipzig war bereits damals zu Messezeiten "die Welt in einer Nuß", wie Goethe später schrieb.

Im Jahre 1547 zog Herzog Moritz von Sachsen (Albertiner) gegen seinen Vetter Kurfürst Johann Friedrich (Ernestiner), um die Leipziger Teilung rückgängig zu machen. Nach der Schlacht bei Mühlberg (1547) wurde Moritz die sächsische Kurwürde mitsamt umfangreicher Territorien des bisher ernestinischen Gebietes übertragen. Das albertinische Sachsen behielt seit dieser Zeit den Status des Kurfürstentums.

Zwischen Preußen und Habsburg

Der Dreißigjährige Krieg brachte, wie für die meisten deutschen Landesteile, einschneidende politische Veränderungen mit sich. In den Jahren 1619 und 1620 unterstützte das sächsische Kurfürstentum offen die Partei der Habsburger und besetzte im Herbst 1620 Schlesien und die beiden Lausitzen. Dies ist umso bemerkenswerter, als Sachsen zuvor zu den vordersten Vertretern der protestantischen Länder im Reich gezählt werden durfte. Die beiden Lausitzen erhielt Sachsen anschließend zum Pfand. Im Jahre 1635 wurden sie bleibend als sächsische Landesteile etabliert. Obwohl Sachsen somit territorial erheblich gestärkt aus dem Kriege hervorging, war die Bevölkerung um etwa die Hälfte dezimiert worden. Zudem wurde langsam erkennbar, daß es in eine politisch nachteilige Mittelposition zwischen Brandenburg-Preußen und dem Habsburgerreich geriet, aus der es sich bis ins 19. Jahrhundert hinein nicht zu befreien vermochte. Vorerst jedoch nahm die wirtschaftliche Genesung des Landes - nicht zuletzt durch die Mitwirkung böhmischer Exulanten (Glaubensflüchtlinge), die sich in Sachsen niederließen - einen raschen Verlauf. Hierdurch ergab sich eine günstige Grundlage für die Regierungszeit Augusts des Starken (1694 - 1733).

Im 19. Jahrhundert wurde Sachsen zum modernsten und innovativsten Wirtschaftsraum Deutschlands

Erst wieder 1806 durften sich die sächsischen Kurfürsten Könige nennen, und zwar vorerst von Napoleons Gnaden. Durch eine glücklose Koalitionspolitik an der Seite Frankreichs stand die staatliche Existenz Sachsens 1815 im Rahmen des Wiener Kongresses zur Disposition. Im Mächtespiel zwischen Preußen und …sterreich durfte das Königreich Sachsen als Mittelmacht schließlich zwar bestehen bleiben, büßte jedoch geographisch etwa 60% (u. a. Görlitz/niederschlesische Gebiete und die Niederlausitz) und hinsichtlich der Bevölkerungszahl etwa 40% seines Umfanges ein.

Im weiteren Verlauf des 19. Jahrhunderts gelang es, Sachsen zum modernsten und innovativsten Wirtschaftsraum Deutschlands zu entwickeln. Ein Umstand, der bis heute z. B. im wirtschaftlichen Stellenwert der industriellen Produktion, im Erscheinungsbild sächsischer Städte und Dörfer oder im Traditionsbewusstsein der Hochschulen seinen Niederschlag findet. Als wichtigste Triebfeder der Industrialisierung fungierte die Textilindustrie im Vogtland, im Erzgebirge mit Chemnitz als "sächsischem Manchester" und in der Oberlausitz.

Im Deutschen Kaiserreich nach 1871 prägten drei Bestimmungsfaktoren das politische Leben in Sachsen: zum einen das Königshaus, recht populär, aber politisch sehr zurückhaltend, zum zweiten die Dominanz der Konservativen in den Regierungsgeschäften und zum dritten der große Rückhalt der Sozialdemokraten, die zwar aus Gründen des Wahlsystems (Zensuswahlrecht) in Sachsen von der Regierung ausgeschlossen blieben, aus den Reichstagswahlen (Gleichheitsprinzip) jedoch fast immer als stärkste sächsische Partei hervorgingen. So sprach man denn auch vom "roten Königreich".

Vom Freistaat zum Freistaat

Nach dem Zweiten Weltkrieg, im Juli 1945, ließ die Sowjetische Militäradministration wieder eine sächsische Landesverwaltung einrichten, die zusammen mit den anderen Ländern der SBZ als föderalistische Staatsgliederung bis in die DDR-Zeit hinein bestand. 1947 erhielt Sachsen seine dritte Landesverfassung im Laufe der Geschichte. Im Zuge der zentralistischen Vorstellungen, Bestrebungen und Notwendigkeiten einer kommunistischen Diktatur hob die DDR 1952 die Länderstrukturen auf und ersetzte sie durch Bezirke (in Sachsen: Chemnitz/Karl-Marx-Stadt, Leipzig und Dresden). Der sächsische Schriftsteller Erich Loest schrieb über das damalige (zweite) Ende Sachsens:

"Unter den historischen Begriff Sachsen wurde 1952 ein Schlusspunkt gesetzt, die Akte geschlossen und im Keller, Abteilung Tote Staaten, unfeierlich beigesetzt. Lange Jahre senkte sich Staub darauf, Flugasche, Braunkohlendreck."

Während der Jahrzehnte der deutschen Teilung wurde plötzlich das historisch bedeutsame und gemütliche Bautzen wegen seines Zuchthauses für politisch Inhaftierte ein Inbegriff des unmenschlichen SED-Regimes. Der Volksaufstand vom 17. Juni 1953 fand durch eindrucksvolle Demonstrationen auch in Sachsen großen Rückhalt. Mehr als 30 Jahre später spielten die sächsischen Schauplätze dann eine führende Rolle beim Niedergang der SED-Herrschaft.

Die friedliche Revolution im Jahre 1989 und der Weg zur Wiedervereinigung wurden maßgeblich von sächsischen Personen und Ereignissen mitgeprägt. Die Leipziger Montagsdemonstrationen trugen der Messestadt den Beinamen "Heldenstadt" ein. Die ersten Montagsdemonstrationen waren 1982 in Form von Friedensgebeten in der Leipziger Nicolai-Kirche entstanden. In den entscheidenden Monaten des Oktober und November 1989 fanden sich oftmals mehrere 100000 Menschen ein, um gegen das DDR-Regime und später für die Wiedervereinigung einzutreten. Nach allzu langer Zeit wurden wieder weiß-grüne Flaggen mitgeführt, lebte auch der Wunsch zur Neubegründung sächsischer Landesstaatlichkeit wieder auf.

Am 3. Oktober 1990, dem Tag des Vollzugs der Wiedervereinigung, wurde auf der Albrechtsburg in Meißen der sächsische Staat neu gegründet. Der Ort der Neugründung, die alte Residenz der Mark Meißen, und die Namengebung "Freistaat Sachsen" knüpften an uralte historische Bindungen und demokratische Traditionen an.

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